Musk galt über Jahre als die wichtigste treibende Kraft für Teslas Erfolg. Doch werden seine politischen Aktionen nun zu einer Belastung für den Elektroauto-Hersteller?
Die Auslieferungen von Tesla sind im vergangenen Quartal nach einem Modellwechsel und Kontroversen um Firmenchef
Die Zahlen fielen deutlich schlechter aus als von Analysten erwartet. Die Tesla-Aktie fiel in einer ersten Reaktion im vorbörslichen US-Handel um mehr als vier Prozent.
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Die schwachen Zahlen hatten sich bereits abgezeichnet. So fielen die Tesla-Neuzulassungen in der Europäischen Union in den ersten beiden Monaten im Jahresvergleich um 49 Prozent auf gut 19.000 Wagen. In Deutschland waren die Neuzulassungen im Februar auf nur noch 1429 von 6038 Fahrzeugen ein Jahr zuvor gefallen. In China gab es im März nach vorläufigen Zahlen ein Minus von mehr als elf Prozent. Tesla selbst macht keine Angaben zu Ergebnissen in einzelnen Regionen.

Kontroverse um Musk zeitgleich mit Rückgang der Verkäufe
Wie stark einzelne Gründe zu dem Rückgang beitrugen, ist schwer festzumachen. Ein Faktor dürfte der Umstieg auf eine erneuerte Generation des Bestsellers Model Y sein. Tesla rüstete Anfang des Jahres die Produktionslinien um. Dafür pausierte die Fertigung für einige Wochen. Zugleich war für Kaufinteressenten der Anreiz geringer, sich noch ein Fahrzeug der vorherigen Y-Variante zu kaufen. Es könne noch zwei Quartale dauern, bis dieser Effekt verdaut sei, schätzt Bryn Talkington von Requisite Capital Management. Zugleich baute Tesla im vergangenen Quartal mit 362.615 Autos aller Modelle gut 16 Prozent weniger Wagen als ein Jahr zuvor.
Auch Musks politische Ansichten schrecken zumindest einige potenzielle Tesla-Käufer ab. In den vergangenen Monaten wurde die Kritik an der politischen Rolle und den Ansichten von Musk immer lauter. Es gab Boykottaufrufe und erst am vergangenen Wochenende Protestaktionen an Tesla-Standorten in verschiedenen Ländern.
Der Tech-Milliardär wurde im vergangenen Jahr zu einem engen Verbündeten von
Politische Spaltung trifft Marke
In dieser Rolle löste Musk zahlreiche Kontroversen aus. Kritiker werfen ihm rücksichtslose Kürzungen vor. Er prahlte etwa damit, die Entwicklungshilfe-Behörde USAID "in den Holzhäcksler" zu werfen – und spricht von angeblich entdeckten Milliardenbetrügereien, ohne dafür Belege zu liefern.
In Deutschland machte sich der Tech-Milliardär vor der Bundestagswahl für die AfD stark und mischte sich eine Zeit lang auch in die britische Politik ein. Bei einer Veranstaltung zur Amtseinführung von Trump schockierte Musk Zuschauer mit einer Hitlergruß-ähnlichen Geste. Kritik daran tat er als "schmutzige Tricks" seiner Gegner ab.
Die US-Regierung stärkt Trumps Vertrautem Musk demonstrativ den Rücken. US-Justizministerin Pam Bondi drohte, Vandalismus gegen Tesla als inländischen Terrorismus einzustufen. Handelsminister Howard Lutnick rief dazu auf, Tesla-Aktien zu kaufen. Trump selbst ließ mehrere Teslas vor dem Weißen Haus auffahren und suchte sich davon ein rotes Model S zum Kauf aus. "Ich liebe Tesla!", verkündete der US-Präsident in einer ungewöhnlichen Werbeaktion.
Wachsende Konkurrenz für Tesla
Selbst beim Musk und Tesla wohlgesonnenen Branchenanalysten Dan Ives klingeln die Alarmglocken. Jetzt sei ein "Moment der Wahrheit" für Musk, sagte der Experte der Investmentfirma Wedbush jüngst im US-Wirtschaftssender CNBC. Musk müsse seine Kostensenker-Rolle und den Job als Tesla-Chef ins Gleichgewicht bringen – und dafür vielleicht im Weißen Haus etwas kürzertreten, legte ihm Ives nahe.
Derweil bekommen Teslas Wagen immer mehr Konkurrenz - insbesondere im wichtigen chinesischen Markt. Musk hält dagegen, dass autonomes Fahren und humanoide Roboter Tesla zum mit Abstand wertvollsten Unternehmen der Welt machen würden. Doch die Firma blieb bisher den Beweis schuldig, dass sie ohne menschliches Eingreifen verlässlich fahrende Autos bauen kann.
Die Kontroversen und die Zweifel an den Geschäftsaussichten nagen auch an dem Grundstein von Musks Einfluss: dem Tesla-Aktienkurs. Es ist vor allem seine Beteiligung an dem Elektroautobauer, die ihn zum mit Abstand reichsten Menschen der Welt macht – jedenfalls auf dem Papier. Nach Trumps Wahlsieg im November hatte sich der Tesla-Kurs zeitweise verdoppelt. Jetzt notiert die Aktie wieder auf dem Niveau von Oktober. (dpa/bearbeitet von ng)