US-Präsident Donald Trump überzieht die Welt mit einem Handelskrieg. An den Börsen brechen die Kurse ein. Millionen Deutsche, die Aktien und ETFs besparen, fragen sich: Was tun? Experten haben dazu eine klare Meinung.
Er hat es getan. US-Präsident
Was Trump macht, ist historisch: Es sind die höchsten Zölle seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Und es ist ein Angriff auf den weltweiten Freihandel.
Weltweit brechen die Aktienkurse ein
Die Aktienkurse sind am Donnerstag abgestürzt. Schon vor Eröffnung der Wall Street um 15.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit drehten alle wichtigen Indizes in den tiefroten Bereich. Der deutsche Aktienindex Dax eröffnete mit 1,5 Prozent im Minus, der japanische Nikkei gab gleich um 2,8 Prozent nach. Noch heftiger fällt die Marktreaktion in den USA aus: Vorbörslich sackten der S&P 500 um 3,1 Prozent, der Nasdaq sogar um 3,5 Prozent ab. Es ist ein Beben, das die Märkte erfasst hat und das noch lange nachwirken könnte.
Zumal Trump die weltweiten Börsen schon seit Wochen in den Panik-Modus versetzt. Das ständige Drohen mit neuen Zöllen, die Annexionspläne gegen eigentlich befreundete Staaten wie Kanada oder das zu Dänemark gehörende Grönland hat die Märkte in Aufruhr versetzt. Zuletzt ging es nur noch nach unten.
Für Anleger heißt das: Der Depot-Wert schmilzt. Auch in Deutschland sind inzwischen über zwölf Millionen Menschen am Kapitalmarkt investiert. Sie besparen ETFs und einzelne Wertpapiere. Um Vermögen aufzubauen oder die eigene Altersvorsorge auf eine solide Basis zu stellen. Müssen sie nun umdenken?
Norbert Kuhn vom Deutschen Aktieninstitut muss nicht lange überlegen. "Nein", sagt er. Denn: "Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit einer Langstrecke vergleichbar. Wer langfristig in Aktien, Aktienfonds oder ETFs investiert, braucht sich nicht wegen kurzfristiger Schwankungen verrückt zu machen". Soll heißen: Das Auf und Ab an der Börse ist normal. Langfristig zeigen die Kurse aber immer nach oben. Wobei es natürlich auf kurze und auch auf mittlere Sicht zu Turbulenzen kommen kann. So wie jetzt.
Ein politisch gewolltes Börsenbeben
Was die aktuelle Lage so besonders macht: Die Verwerfungen sind rein politischer Natur. Es ist der US-Präsident, der das System des Freihandels attackiert und der auf unorthodoxe Wirtschaftspolitik setzt. Trump und seine Berater versprechen den Amerikanern ein goldenes Zeitalter. Ihr ökonomisches Credo lautet: Die Welt zahlt hohe Zölle, mit den Einnahmen senkt die Trump-Regierung die Steuern für Reiche und Unternehmen und löst so einen Boom im Inland aus. Fachleute halten das für illusorisch, aber Trump scheint fest entschlossen, diese Politik fortzusetzen.
Dass die Aktienmärkte dies nicht goutieren, scheint ihn nicht zu stören. Dabei lief die US-Wirtschaft unter seinem Vorgänger Joe Biden noch rund, die Aktienkurse erreichten immer neue Höchstwerte. Nur die Inflation blieb – und führte letzlich auch zu Trumps Wahlsieg. Die Zölle könnten nun zu Wachstumseinbußen führen und den Preisauftrieb in den USA beschleunigen.
Auch das ist für Anleger von Relevanz. Der weltweit wichtigste Aktienfonds, der MSCI World, hat einen US-Anteil von über 70 Prozent. Wenn Trump die US-Wirtschaft abwürgt, schlägt das auch voll im Depot von Sparerinnen und Sparern auf der ganzen Welt durch. Ist die US-Abhängigkeit im Aktienmarkt ein Problem? Auch hier rät Experte Norbert Kuhn zu Gelassenheit. Er sagt: "Der US-Markt ist der größte Kapitalmarkt der Welt. Und wenn ich weltweit anlege, ist klar, dass ich eben auch sehr stark im weltweit bedeutendsten Kapitalmarkt investiert bin."
"Was Trump macht, kann langfristigen Anlegern egal sein."
Wer damit als Anleger ein Problem habe, könne aber auf andere Fonds ausweichen oder sie im Depot beimischen. Es gibt Fonds und ETFs, die nur in Europa investieren, die Schwellenländer abdecken oder den asiatischen Raum. Zur Wahrheit gehört aber auch: In der Vergangenheit lief der MSCI World mit seinem Fokus auf USA und Tech sehr gut. Das ist keine Garantie für die Zukunft, zeigt aber die Stärke der US-Wirtschaft.
Wer als Anleger zu Nervosität neigt, sollte die nächste Zeit einfach nicht ins Depot schauen. Oder auf Norbert Kuhn vom Deutschen Aktieninstitut hören. Er sagt: "Was Trump gerade macht, kann langfristigen Anlegern egal sein."
Über den Gesprächspartner
- Dr. Norbert Kuhn verantwortet den Bereich Think Tank im Deutschen Aktieninstitut. Er beschäftigt sich unter anderem mit Aktien als Instrument zur Altersvorsorge und steuerlichen Rahmenbedingungen, die den Aktienbesitz fördern. Kuhn hat Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft in Marburg studiert und dort auch promoviert. Seit 2006 arbeitet er im Deutschen Aktieninstitut.