Mit "Wozu sind Kriege da" sang Udo Lindenberg schon vor 40 Jahren gegen den Krieg. Angesichts der aktuellen Weltlage stellen sich ihm bange Fragen, die ihn auch schon mal um den Schlaf bringen.
Die Debatte um die Aufrüstung Deutschlands lässt Rockmusiker
Die Frage, "wie wir unsere freie Welt noch retten können und ob Worte und Songs und Kunst und Demos dafür ausreichen, oder ob wir uns tatsächlich auch militärisch wappnen müssten, tut meiner Pazifistenseele sehr weh und lässt mich manchmal gar nicht schlafen", sagte Lindenberg.
Udo Lindenberg: Dürfen uns an "Schizomaten" nicht gewöhnen
Angesichts der internationalen Entwicklung mit dem Ukraine-Krieg und der zweiten Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident sprach er von einem Horrorszenario: "Vance, Musk, Putin und dazu noch unsere schlaffe Ampelregierung, um die herum die Rechtsextremen immer lauter werden."
Resignation sei für ihn aber keine Alternative. "Wir dürfen doch die nächste Generation nicht hängen lassen. Wir dürfen uns nie daran gewöhnen, dass die Welt mal wieder regiert wird von Schizomaten", sagte Lindenberg. "Irgendwann kommen auch wieder neue Leute mit unseren Idealen und Visionen für die bessere und fairere Welt von morgen."
Dem Ehrenbürger von Hamburg, der nicht nur Musiker, sondern auch erfolgreicher Maler ist, fehle bei vielen Künstlerinnen und Künstlern die politische Ausrichtung. "Mir fehlt im Großteil der aktuellen Malerei die politische Haltung. Die Kunst braucht mehr politische Attacke, sonst verkommt sie zu einer rein dekorativen Maßnahme in dieser völlig entgleisenden Welt." Ihm sei es wichtig, in seinen Werken Position zu beziehen und "nicht nur so elitäre Ego-Geschichten" zu machen.
Lindenberg: "Bei erklärten Nazis gibt es nix zu reden"
Dass es unter seinen Anhängern auch rechte Fans gebe, könne er manchmal von der Bühne aus beobachten. "Spätestens, wenn wir 'Bunte Republik Deutschland' spielen, müssen auf einmal doch einige Leute kurz raus und neues Bier holen. Das ist dann auch für mich und meine Band 'ne befremdende Nummer." Hoffnung schöpfe er daraus, dass alle Fans den Rest des Abends zusammen mit seiner Band und ihm in einer Arena stehen. "Wir müssen ja im Gespräch und in Verbindung bleiben, vor allem, je mehr polarisiert wird."
Weiter erklärte er zu seinem Umgang mit rechten Fans: "Bei erklärten Nazis gibt es nix zu reden, aber es gibt ja viele andere, die muss man nicht gleich abtun als aussätzige Idioten. Man kann sie ja vielleicht wieder erreichen, auch mit guten Songs und smarten Texten. Man muss es zumindest versuchen. Denn, Leute, eins muss klar sein: Naziland ist abgebrannt, und so muss das auch bleiben." (vit)