Annalena Baerbock hat in ihrem Leben mehrfach sexuelle Belästigung erlebt. In einem Podcast erzählte die Bundesaußenministerin Model Stefanie Giesinger von einem Vorfall als Schulkind. Auch Giesinger hat bereits Ähnliches durchgemacht.

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Annalena Baerbock hat in einem Podcast über feministische Außenpolitik und ihren Werdegang gesprochen. Dabei erzählte sie im Gespräch mit Stefanie Giesinger in deren "G-Spot-Podcast" auch von sexuellen Belästigungen, die sie bereits häufiger erlebt hat. Einen Vorfall griff die Bundesaußenministerin dabei heraus.

Als die "#MeToo"-Debatte aufkam, habe Baerbock erstmals darüber nachgedacht: "Krass, wie oft ist dir das eigentlich passiert?" Als Schulkind sei sie einen langen Weg vom Dorf in die Schule gefahren. "Da saß irgendwann mal ein Mann neben mir, ein älterer Herr, der anfing, seine Hand auf mein Bein zu legen." Den Vorfall habe Baerbock damals nicht mal ihrer Mutter erzählt. "Ich habe das wirklich noch so bildlich vor Augen, obwohl ich es eigentlich total vergessen hatte. Ich habe fünf Stationen gebraucht, mich zu trauen, wegzusetzen." Zuvor sei sie "natürlich immer weiter weggerutscht". Dabei seien ihr als Kind viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Eigentlich habe sie aussteigen wollen, doch dann wäre sie zu spät in die Schule gekommen. "Dieses ganze Überlegen: Was mach' ich jetzt?"

"Ich kenne fast keine Frau, die noch keinen sexuellen Übergriff erlebt hat."

Stefanie Giesinger

Stefanie Giesinger erwiderte darauf: "Das Bewusstsein dafür ist so wichtig. Häufig betrachtet man das schon fast als 'normal', was total traurig ist, oder man denkt: 'Ja, das passiert halt.' Ich muss sagen, ich kenne fast keine Frau, die noch keinen sexuellen Übergriff erlebt hat. Das ist super traurig."

Stefanie Giesinger erzählt von sexueller Belästigung im Taxi

Auch Giesinger erzählte von einem Vorfall mit einem Taxifahrer, der begonnen habe, ihre Füße zu reiben. "Ich war dann so perplex, so wie du im Schulbus, und konnte mich gar nicht bewegen, konnte gar nichts sagen", sagte sie zu Baerbock. "Das ist ein Moment, in dem man sich gar nicht richtig wehren kann, weil man auch in einem Machtgefälle steht. Ein älterer Mann sitzt neben dir, du kannst dich nicht wirklich wehren, wer weiß, wie er dann austickt. Oder so ein Taxifahrer, der mich dann vielleicht nicht zum Hotel bringt, sondern sonst irgendwohin."

Baerbock habe einerseits Angst gehabt, andererseits auch Scham verspürt. Die Grünen-Politikerin erinnerte an die Wichtigkeit des Falls von Gisèle Pelicot in Frankreich, die mehrfach wiederholt hatte: "Die Scham muss die Seiten wechseln."

"Ich habe mich ja nicht getraut aufzustehen, weil ich gedacht habe: Wenn ich jetzt was sage, schaut dich der ganze Bus an", erzählte Baerbock weiter. "Dass man selber dann denkt, man ist diejenige, die hier Stress macht oder die Aufmerksamkeit erzeugt", sei ein Muster, das es auch in anderen Situationen gebe, in denen gesagt wird: "Jetzt stell' dich mal nicht so an, jetzt mach doch mal keinen Stress". Aus Baerbocks Sicht sei es wichtig, "dass viele unterschiedliche Frauen" sexuelle Belästigungen thematisieren, "und natürlich auch Männer".

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