Nach vier Jahren Gefängnis kehrt der Kinderzimmer-Drogen-König zurück. In der Zwischenzeit sind Moritz Zimmermanns Freunde nicht nur erwachsen, sondern auch erfolgreich geworden. Doch das alte Chaos wartet schon.

Eine Kritik
Diese Kritik stellt die Sicht von Felix Reek dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Wenn gute Menschen in Serien Schlechtes tun, stellt das Drehbuchschreiber vor eine schwierige Aufgabe. Die Zuschauer sind emotional gebunden, die Moral verlangt, dass am Ende die gerechte Strafe folgt. Das heißt, der Übeltäter wandert ins Gefängnis oder stirbt. Das hat vor einigen Jahren "Breaking Bad" eindrucksvoll gezeigt: Der todkranke Chemielehrer Walter White begann Crystal Meth zu kochen, um seine Familie abzusichern, fand Gefallen an der Macht als Drogenkönig, wurde von seinen Taten eingeholt und starb am Ende. Die Frage, die sich nun mit der letzten Staffel der deutschen Serie "How to Sell Drugs Online (Fast)" (ab 8. April auf Netflix) stellt, ist: Was passiert mit Moritz Zimmermann (Maximilian Mundt)?

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Wir erinnern uns: In der Garage seines Vaters träumt Schüler Moritz von einem Tech-Start-up ähnlich revolutionären Ausmaßes wie Apple oder Microsoft. Stattdessen zieht er im Internet einen internationalen Drogenhandel auf. Mit dabei: sein bester Freund Lenny (Danilo Kamperidis) und der Klassen-Schönling Dan (Damian Hardung). Im Verlauf der Staffeln häufen sich die Toten, die Polizei kommt immer näher und auch seine Ex-Freundin Lisa (Lena Klenke) weiß mittlerweile Bescheid.

Der echte Drogenhändler aus dem Kinderzimmer verhaftet den aus der Serie

Lose angelehnt ist die Netflix-Serie an die reale Geschichte von Maximilian Schmidt, der unter dem Pseudonym "Shiny Flakes" zwischen 2013 und 2015 aus seinem Kinderzimmer in Leipzig-Gohlis einen millionenschweren Drogenhandel aufzog. Netflix verfilmte das 2021 mit der Dokumentation "Shiny Flakes: The Teenage Drug Lord".

Die Wege des realen und des fiktiven Drogenhändlers treffen sich in "How to Sell Drugs Online (Fast)": Am Ende der dritten Staffel der Serie ist es Schmidt in einer Gastrolle, der sein Serien-Alter-Ego Moritz verhaftet. Während der echte Drogenhändler 2015 verhaftet und nach vier Jahren entlassen wurde, kehrt sein Serien-Pendant nun, im Jahr 2025 und ebenfalls nach vier Jahren Haft, aus dem Gefängnis zurück.

So lange haben die Macher von "How to Sell Drugs Online (Fast)" die Fans auf einen Abschluss der Serie warten lassen eine Ewigkeit im Streaming-Zeitalter. In Staffel drei bestanden die vier Freunde das Abitur, mittlerweile sind sie erwachsen. Als Moritz das Gefängnis verlässt, muss er feststellen, dass Dan das Scheinunternehmen für ihren Drogenhandel in ein millionenschweres Start-up verwandelt hat. Er verkauft Nahrungsergänzungsmittel für Gamer, und ausgerechnet Moritz' bester Freund Lenny ist mit dabei. Ein Gute-Laune-Unternehmen mit einem Überfluss an englischen Business-Wörtern, E-Bikes für die Mitarbeiter und Dans Visage, die aus jeder Ecke des Büros von einem Pappaufsteller grinst.

Mehr Drogen, neue Verbrecher

Schwer zu ertragen für Moritz, der sich noch immer für den nächsten Steve Jobs hält. Also versucht er, wie jeder vernünftige Erwachsene es tun würde, das Unternehmen von innen heraus zu zerstören und gleichzeitig seinen besten Freund zurückzugewinnen. Das muss natürlich schiefgehen, und weil "How to Sell Drugs Online (Fast)" immer noch eine Serie über Drogenhandel ist, lassen auch die nächsten Schwierigkeiten in Form eines Verbrechersyndikats nicht lange auf sich warten.

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Ein zentrales Thema der letzten Staffel der deutschen Serie bleibt aber die Freundschaft zwischen Moritz und Lenny, die diesmal besonders herausgestellt wird. Immer wieder sehen wir die beiden in kurzen Einschüben in die Rollen klassischer Rom-Com-Komödien schlüpfen inklusive schlechter Perücken. Diese kleinen Ideen waren immer eine der Stärken von "How to Sell Drugs Online (Fast)". Insgesamt zeigen sich jedoch auch Ermüdungserscheinungen.

Wo Walter White in "Breaking Bad" immer konsequenter zum Bösewicht wurde, bleibt Moritz Zimmermann scheinbar unverändert derselbe selbstmitleidige Nerd, der symbolträchtig am Strohhalm seines Kindergetränkes nuckelt und sich aus seiner Verantwortung herausredet. Während seine Freunde ein komplett anderes, legales Leben führen, träumt er immer noch vom Weltruhm.

Für den wird es, so viel sei verraten, auch diesmal nicht reichen. Stattdessen findet Moritz heraus, welche Dinge für ihn wirklich wichtig sind, bevor die Geschichte für ihn zu Ende geht. Ob er dabei stirbt oder alles ganz anders kommt, müssen die Zuschauer selbst herausfinden.