Saalbach-Hinterglemm - Marco Odermatt schüttelte erst den Kopf und schlug sich mit der Hand gegen den Helm. Kurz später konnte der entzauberte Ski-Dominator aber schon wieder lächeln. Es sei ihm immer noch lieber, wenn ein Schweizer gewinnt statt eines Österreichers, feixte er. Zwei Tage nach Odermatts überlegenem Sieg im Super-G stahl ihm Teamkollege Franjo von Allmen vor 22.500 enthusiastischen Zuschauern in Saalbach-Hinterglemm die Show und raste zum prestigeträchtigen WM-Gold in der Abfahrt.
Deutsche landen außerhalb der Top 15
"Unglaublich stark" sei von Allmen gefahren, sagte
Die deutschen Starter
Rot-weiß-rotes Fahnenmeer am Zwölferkogel
Die enorme Bedeutung der Abfahrt war rund um den Zwölferkogel schon lange vor dem Rennen zu spüren. Menschenmassen mit überwiegend rot-weiß-roten Fähnchen strömten aus allen Richtungen in das imposante Stadion im Zielraum.
Odermatt, der dreimalige Gesamtweltcupsieger, Riesenslalom-Olympiasieger und Abfahrts-Weltmeister von 2023 war der Mann, den es an diesem Tag zu schlagen galt. Kriechmayr, vor vier Jahren Weltmeister sowohl in der Abfahrt als auch im Super-G, ging nur drei Wochen nach seinem Sturz in Wengen als großer Hoffnungsträger der Österreicher an den Start - und enttäuschte sie nicht.
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Silber trotz erst kürzlich erlittener Knieverletzung - es war eine bemerkenswerte Leistung und bereits die vierte Medaille für die Gastgeber bei dieser WM. So konnten sie auch den nächsten Schweizer Festtag leichter verschmerzen.
Schweizer in der Abfahrt das Maß der Dinge
Die Gratulationen der Österreicher würden ihm besonders viel bedeuten, sagte der überglückliche von Allmen. Der 23-Jährige, der erst vor knapp zwei Jahren im Weltcup debütiert hat, tritt mehr und mehr aus dem langen Schatten seines überragenden Landsmannes Odermatt heraus. "This is my house", hatte Odermatt ihm noch zugerufen, als er von Allmen in der Abfahrt von Wengen Mitte Januar knapp geschlagen hatte. Tags zuvor war der Youngster im Super-G zum ersten Weltcup-Sieg und endgültig ins internationale Blickfeld gerast.
"Wir sind ein super Team, pushen und helfen einander", sagte Odermatt beim ORF über die Speed-Riege der Schweizer, die diesen Winter das Maß der Dinge ist. Abgesehen vom Erfolg des Kanadiers James Crawford in Kitzbühel haben die Eidgenossen bislang alle Herren-Abfahrten in dieser Saison gewonnen.
Und sie haben noch weitere Goldchancen bei der WM - gerade Odermatt, für den nach der Team-Kombination ja auch noch der Riesenslalom ansteht.
Aicher neue deutsche Hoffnungsträgerin
Die deutschen Hoffnungen auf Edelmetall in Saalbach-Hinterglemm hatte zuletzt vor allem Emma Aicher genährt. Wie schon im Super-G wurde sie auch in der Abfahrt am Samstag Sechste. Mit einer niedrigeren Startnummer wäre für die 21-Jährige auf der nachlassenden Piste und beim Sieg der US-Amerikanerin Breezy Johnson womöglich sogar ein Podestplatz drin gewesen.
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Am Dienstag startet sie gemeinsam mit Slalom-Ass Lena Dürr in der Team-Kombination der Damen. Vielleicht stimmen dann ja auch die Deutschen in die große Ski-Party am Zwölferkogel ein. © Deutsche Presse-Agentur
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