Mit einem Sieg gegen Austria Wien hat sich der TSV Hartberg ins Cup-Finale katapultiert. Der Außenseiter kann sein Glück kaum fassen.
Der TSV Hartberg darf das größte Ziel der Clubgeschichte ins Auge fassen. Nach einem denkwürdigen blau-weißen Abend fordern die Oststeirer am 1. Mai im Duell zweier Final-Debütanten um den ÖFB-Cup den WAC.
"Unglaublich", fand dies Torhüter Raphael Sallinger. Donis Avdijaj dachte an die kleine Fan-Schar, die in Wien ihre Freude hatte. "Das ist ein Spiel, das die Leute in Hartberg nur vom Hörensagen, vom Fernsehen kennen. Und jetzt können sie dabei sein", sagte der Matchwinner.
1:0 siegten die Hartberger bei der Wiener Austria. Beim Außenseiter konnten sie ihr Glück nach Schlusspfiff kaum fassen. "Wir sind uns in die Arme gefallen und konnten selbst nicht begreifen, dass wir das geschafft haben", beschrieb Kapitän Jürgen Heil die Sekunden danach. Während Avdijaj den einzigen gefährlichen Torschuss aufs Gehäuse der Austria verwertete (54.), ließ die Defensive der Gäste dem Gegner keinen Raum. Die Austria kommen lassen und via Konter zuschlagen - der Plan von Trainer Manfred Schmid ging voll auf.
"Ziel ist jetzt ganz klar, auch den Pokal zu gewinnen. Wir werden nicht nach Klagenfurt fahren, um Urlaub zu machen."
Schmid sprach von einem nicht unverdienten Erfolg. Es sei einer der größten Erfolge seiner Trainerkarriere, meinte der langjährige Assistent von
Knapp 6.800 Einwohner hat die Stadt Hartberg. Sie alle würden in einen der beiden Fansektoren der Arena am Wörthersee passen. Dass der TSV am 1. Mai erneut nicht als Favorit in die Partie gegen die in der Meistergruppe engagierten Wolfsberger geht, bereitet den Steirern keine Sorgen. "Warum sollten wir deshalb nicht gewinnen?", fragte Heil. Für den Rechtsverteidiger bedeutete der Cup-Lauf ebenfalls den größten Erfolg seiner Karriere, die einst in der Regionalliga Fahrt aufnahm. "Mein Ziel war es, einmal in den Profi-Fußball zu kommen, in die 2. Liga. Jetzt stehe ich mit diesem Verein im Cup-Finale, das ist unglaublich."
Austrianer emotional angeschlagen
Für die Austria war es ein harter emotionaler Treffer. Es war angerichtet für den ersten Final-Einzug der Violetten seit zehn Jahren. Aus viel Ballbesitz kreierten die Austrianer aber kaum Chancen oder vergaben diese wie in der ersten Halbzeit. Nach Schlusspfiff gingen bei Aleksandar Dragovic die Emotionen durch. Der Abwehrchef teilte verbal gegen Schiedsrichter Sebastian Gishamer aus, sah die Rote Karte und fehlt damit zumindest am Sonntag gegen den WAC. Gegen die Cup-Finalisten aus Wolfsberg muss auch Dominik Fitz aufgrund einer Gelb-Sperre passen.
Sichtlich gezeichnet war Manfred Fischer. "Es war eigentlich das Spiel, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir hatten die Kontrolle, wir hatten Chancen", meinte der Austria-Kapitän. Dennoch vermisste Fischer etwas Grundlegendes. "Wir haben nicht diese Energie auf den Platz bekommen. Wenn Du so eine Chance hast auf ein Finale, mit den Zuschauern im Rücken ... das ärgert mich am meisten", erklärte der Mittelfeldmann.
Fischer ließ durchblicken, dass die Niederlage ein schwerer Schlag für das Selbstvertrauen der davor von Sieg zu Sieg eilenden Austria sein könnte. Jeder müsse dies nun für sich aufarbeiten, so der 29-Jährige. "Morgen sind wir wieder da. Ich hoffe, dass es jeder so mental verarbeitet hat, dass er weitermachen kann. Denn dann geht es in der Meisterschaft weiter." Trainer Stephan Helm wollte nicht so weit gehen. "Wir sind Sportler, Niederlagen gehören dazu. Wichtig ist, dass wir wieder den Kopf hoch nehmen und schauen, was wir besser machen können", betonte er.
Seiner Elf hätten Lösungen gegen die Defensive der Hartberger gefehlt, urteilte Helm. Er erinnerte auch an einen seiner Lehrmeister. "Ich habe mit Thorsten Fink zusammengearbeitet. Er hat gesagt, dass die Niederlage im Champions-League-Finale (mit Bayern München 1999, Anm.) ihm mehr gebracht hat als alle Titel, die er geholt hat", meinte Helm. "An dem müssen wir wachsen, das gehört dazu in einer Fußballerkarriere. Dann kann man es in Zukunft besser machen." (APA/bearbeitet von mbo)