Seit November 2022 ist Verteidiger Mario Vušković wegen Dopings gesperrt. Zuletzt scheiterte die Revision vor dem Schweizer Bundesgericht. Damit ist sein Fall aber nicht unbedingt vorbei, denn nun kann der DFB erneut aktiv werden.

Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Mara Pfeiffer dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Fußballerisch gesprochen hat Verteidiger Mario Vušković etwas mehr als eine Halbzeit hinter sich gebracht. Am 16. September 2022 stand der Kroate letztmals für den Hamburger SV auf dem Platz. Stand jetzt darf er im September 2026 wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Das Schweizer Bundesgericht hat die Beschwerde gegen seine Dopingsperre abgelehnt. Damit muss die juristische Geschichte des Spielers, der nach dem Urteil erstmals wieder Interviews gegeben hat, aber noch nicht zu Ende geschrieben sein.

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Eine Routinekontrolle der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) ergibt bei Vušković 2022 einen positiven Befund für körperfremdes Erythropoetin, besser bekannt unter der Abkürzung EPO. Nach einer positiven A-Probe wird der Spieler im November 2022 vorläufig gesperrt. Von Anfang an beteuert er seine Unschuld, versucht sogar, diese beispielsweise am Lügendetektor zu beweisen. Die B-Probe im Dezember bestätigt das Ergebnis der A-Probe jedoch zunächst.

Interpretation von Schatten

Bei den Verhandlungen vor dem Sportgericht des DFB legen die Anwält*innen des Kroaten vier unabhängige Gutachten vor, die Vuškovićs Proben als negativ interpretieren. Schon das zeigt die Problematik, denn: Das von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zugelassene Sar-Page-Verfahren zum Nachweis von EPO wird von einigen Wissenschaftler*innen als nicht zeitgemäß kritisiert, eben weil es – vereinfacht – um Interpretation geht bei der Frage, ob körperfremdes EPO vorliegt. Denn auch der Körper selbst produziert Erythropoetin.

Das Sportgericht ordnet seinerzeit die Überprüfung der C-Probe an, Vuškovićs Seite stellt aber einen Befangenheitsantrag gegen den kanadischen Dopingforscher Jean-Francois Naud, weil der mit den Forscher*innen, die die A- und B-Probe beurteilt haben, in einer Kommission der WADA sitzt. Jetzt wird es kurios: Der Antrag wird zurückgewiesen, Naud aber lehnt danach ab, die C-Probe zu überprüfen. Das DFB-Sportgericht verurteilt Vušković schließlich zu zwei Jahren Sperre.

Ungewöhnliche Länge der Sperre

Das wiederum ist ungewöhnlich, weil für das Vergehen, so es stattgefunden hat, eigentlich vier Jahre vorgesehen sind. Das Sportgericht begründet, Vušković müsse als Ersttäter gelten, er sei jung, es sei nicht von strukturiertem Doping auszugehen. Weil damit keine Seite zufrieden ist, legen beide Berufung ein. Zudem landet der Fall vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS, wo die Sperre von zwei auf vier Jahren angehoben wird, ein Urteil zugunsten der WADA.

Längst streiten öffentlich nicht nur der HSV mit Vuškovic gegen die WADA, sondern daneben Wissenschaftler*innen, von denen einige sich an die Seite der Dopingagentur stellen, andere deren Methoden sowie den sehr kleinen Kreis von Expert*innen, die sich im Kreis gegenseitig überprüfen, als problematisch beurteilen. Vuškovićs Anwälte gehen derweil vorm Schweizer Bundesgericht in Revision, diese haben sie nun verloren. Allerdings wird dabei in der Regel nur überprüft, ob dem CAS Verfahrensfehler vorzuwerfen sind – die Begründung steht noch aus. Der Spieler könnte nun noch vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen.

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Neue inhaltliche Bewertung?

Allerdings sind auch seine Rechtsmittel noch nicht ausgeschöpft, denn die Berufung vor dem Sportgericht des DFB ruht seit April 2023. Das war damals im Einvernehmen aller so geschehen – zunächst sollte das CAS-Verfahren abgeschlossen werden. Weil der Vorwurf von Vuškovićs juristischem Team gegen das in sich geschlossene WADA-System in erster Instanz noch keine Rolle gespielt hatte, gäbe es durchaus auch Argumente für eine neue inhaltliche Bewertung.

Es geht dabei längst nicht mehr nur um die – für sich schon gewichtige – Frage, ob ein Sportler da zu Recht oder Unrecht gesperrt wird. Es geht vielmehr um ein System, das am Beispiel des Fußballers nicht zum ersten Mal in die Kritik gerät aufgrund seiner immensen Machtfülle. Die Frage ist dabei zunächst: Wie sehr traut sich das DFB-Sportgericht aus der Deckung?