Mit dem Einzug ins DFB-Pokalfinale hat Drittligist Arminia Bielefeld wohl für die Überraschung der Saison gesorgt. Das hat besondere Szenarien zur Folge – und gerade mit einem hat der DFB wahrscheinlich nicht gerechnet.

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Der Einzug von Drittligist Arminia Bielefeld ins DFB-Pokalfinale mit einem verdienten Sieg gegen Titelverteidiger Bayer Leverkusen ist im deutschen Fußball wohl eine der größten Sensationen der vergangenen Jahre. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Terminkalender, sondern könnte gerade im Falle eines Pokalsiegs für kuriose Szenarien sorgen. Welche Auswirkungen hat das Wunder von der Alm?

Wie kann sich die Arminia für den Europapokal qualifizieren?

Mit dem Einzug ins DFB-Pokalfinale steht Arminia Bielefeld kurz vor der Qualifikation für die Europa League. Dass die Arminen nur in der 3. Liga spielen, ist dabei kein Hindernis – jedoch müsste sich die Arminia dafür auch im Finale durchsetzen und den Pokal gewinnen. Verlieren die Bielefelder hingegen, qualifiziert sich entweder der Pokalsieger selbst, wenn der ebenfalls noch nicht über die Liga qualifiziert ist, rückt das bestplatzierte noch nicht für die Europa League qualifizierte Team nach (in den meisten Fällen der Sechstplatzierte der Bundesliga, Platz sieben würde sich dadurch für die Conference League qualifizieren).

Diese Regel gibt es erst seit 2015. Davor wären die Hoffnungen für Arminia Bielefeld, europäisch zu spielen, noch deutlich größer gewesen. Denn bis dahin rückte der unterlegene Pokalfinalist nach, wenn sich der Pokalsieger bereits über die Liga für den internationalen Wettbewerb qualifiziert hatte. So bekamen etwa die Pokalfinalisten Union Berlin (2001) und Alemannia Aachen (2004) schon die Möglichkeit, als unterklassige Teams am damaligen Uefa-Cup teilzunehmen.

Ist die Arminia bereits für den DFB-Pokal der nächsten Saison qualifiziert?

Eines wäre aber nicht einmal nach einem Sieg im DFB-Pokal gesichert: Dass die Arminia den Pokal im nächsten Jahr auch verteidigen könnte. Die Teilnahme an der 1. DFB-Pokal-Hauptrunde im nächsten Jahr ist nämlich nur denjenigen Teams vorenthalten, die in den ersten zwei Profiligen spielen, die ersten vier Plätze der 3. Liga belegen oder einen der zahlreichen Landespokale in Deutschland gewonnen haben.

Grundsätzlich ist die Arminia sowohl im Landespokal als auch über die Liga auf einem guten Weg, dies umzusetzen. Aber: Sollten die Ostwestfalen ihren aktuellen vierten Platz in der Liga nicht verteidigen können und außerdem noch das Finale des Westfalenpokals verlieren, wäre die DFB-Pokalteilnahme im nächsten Jahr auch als Pokalsieger dahin. Mit diesem sehr ungewöhnlichen Fall hatte der DFB wahrscheinlich einfach nicht gerechnet und dem Titelverteidiger bislang keinen automatischen Platz im Hauptfeld zugesichert.

Wie viel Geld verdient die Arminia?

Der Einzug in das Endspiel des DFB-Pokals ist für Arminia Bielefeld nicht nur ein sportliches Ausrufezeichen, sondern beschert dem Verein auch einen für Drittliga-Verhältnisse beachtlichen Geldregen. Mindestens 2,88 Millionen Euro sind dem Fußball-Drittligisten sicher, bei einem Final-Triumph würden die Bielefelder sogar 4,32 Millionen kassieren. Hinzu kommen etwa 45 Prozent der Ticketeinnahmen aus dem Finale im Berliner Olympiastadion, wo knapp über 74.000 Zuschauer am 24. Mai erwartet werden. Zur Einordnung: Laut Wirtschaftswissenschaftler Henning Zülch arbeiten Drittligisten aktuell mit einem Jahresetat von fünf bis neun Millionen Euro.

Für einen Kaufrausch sorgen die Zusatzeinnahmen in Bielefeld aber wohl nicht. "Jeder denkt jetzt, wir nehmen das Geld und können es einfach ausgeben. Das ist aber nicht so", hatte Sport-Geschäftsführer Michael Mutzel der Deutschen Presse-Agentur vor dem 2:1 gegen Bayer Leverkusen gesagt. Der Halbfinal-Einzug hatte dem Klub schon rund 6,5 Millionen Euro allein an DFB-Prämien beschert.

Welche Terminschwierigkeiten gibt es?

Wie wenig auch die Verbände selbst mit dem Finaleinzug eines unterklassigen Teams in den DFB-Pokal gerechnet hatten, zeigen die Terminschwierigkeiten, vor denen die Arminia jetzt steht. Da wäre zum einen das Finale des Westfalenpokals, das eigentlich im Rahmen des "Finaltags der Amateure" am 24. Mai hätte stattfinden sollen. An diesem Tag sind die Arminen jedoch jetzt am Abend in Berlin gefragt. Somit muss für den Landespokal, bei dem der Gegner der Bielefelder noch nicht feststeht, jetzt ein Alternativtermin gefunden werden.

Schwierig wird es auch, wenn die Arminia im Aufstiegsrennen in der 3. Liga noch einen Platz gutmachen würde. Dann nämlich stünde Bielefeld auf dem Relegationsplatz und müsste nach Saisonende zwei weitere Partien gegen den 16. der 2. Bundesliga bestreiten. Gerade das Hinspiel, das am Vorabend des DFB-Pokalfinales am 23. Mai stattfinden soll, wäre dann in dieser Form nicht umsetzbar.

Besonders kurios: Auch im vergangenen Jahr war die Ansetzung der Relegationsspiele zwischen 2. Bundesliga und 3. Liga bereits ein Thema. Damals war Pokalfinalist 1. FC Kaiserslautern noch in Gefahr, auf den 16. Platz der 2. Bundesliga und damit in die Abstiegsrelegation zu rutschen. Die Roten Teufel konnten sich dann aber schon zwei Spieltage vor Schluss den Klassenerhalt sichern. Und auch die Arminia hätte sicher nichts dagegen, gleich direkt aufzusteigen und sich unnötigen Terminstress zu ersparen.

Verwendete Quellen: