Thomas Müller verlässt den FC Bayern nach 17 Profijahren – gegen seinen ausdrücklichen Wunsch.

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"Radio Müller" sendete beim lauten "Servus" schwere Störgeräusche. Auch das rot-weiße Herz auf dem Abschiedsbrief der Klub-Ikone und die salbungsvollen Worte der Bosse konnten nicht übertünchen, dass der "ewige" Bayer nicht freiwillig geht. "Der Verein hat sich bewusst dafür entschieden, mit mir keinen neuen Vertrag für die nächste Saison zu verhandeln", schrieb Müller an die Fans und betonte, dass dieser Schritt "nicht meinen persönlichen Wünschen entsprach".

Was sich in den vergangenen Tagen abgezeichnet hatte, ist jetzt offiziell: Thomas Müller, die lebende Bayern-Legende und größte Ikone des Vereins der vergangenen beiden Jahrzehnte, macht im Sommer Schluss in München. Unfreiwillig. Sein "Herzensverein", wie Müller "seine" Bayern zum Abschied noch einmal nannte, hat keine Verwendung mehr für den 35-Jährigen. Obwohl dieser sich die Reservistenrolle, die er aktuell noch einnimmt, "auch im nächsten Jahr gut vorstellen" hätte können.

Kapitän Manuel Neuer adelte Müller als "Legende", Rekordnationalspieler Lothar Matthäus reagierte auf dessen Post mit einem Tränen-Emoji. Müller verkörpert den FC Bayern wie kein Zweiter und nur sehr wenige Spieler vor ihm. Im Jahr 2000 kam er aus dem nahen Pähl am Ammersee in die Klubjugend, 2008 feierte er unter Trainer Jürgen Klinsmann, der ihn später fast nach Hoffenheim vertrieben hätte, sein Profidebüt. Es folgten: 33 Titel, darunter zweimal das begehrte Triple (2013 und 2020), und bislang 743 Pflichtspiele Klubrekord. Die letzten Partien soll Müller bei der Klub-WM im Sommer in den USA bestreiten.

Müllers Abschied: "Mini-Vertragsverlängerung" für US-Trip

"Thomas Müller ist der Inbegriff einer bayerischen Bilderbuchkarriere", sagte Präsident Herbert Hainer. "Er ist großgeworden in und mit Bayern: Vom Ammersee in die Allianz Arena, bis nach Asien und Amerika." Jan-Christian Dreesen nannte ihn "eine der größten Spielerpersönlichkeiten dieses Klubs". Der Vorstandschef hatte das Heft des Handelns zuletzt in die Hand genommen und in finalen Gesprächen am Mittwoch und Donnerstag die Lösung mit der angeblich deutlich siebenstellig entlohnten "Mini-Vertragsverlängerung" für den US-Trip erarbeitet.

Gerne hätte Dreesen dem Routinier eine goldene Brücke zu Kooperationsklub Los Angeles FC gebaut, die Tür steht ihm auch in anderer Funktion immer offen, doch Müller muss sich dem Vernehmen nach erst mal sortieren. Ob es woanders weitergeht, ließ er offen.

Ein wenig Verständnis für die Bosse ließ er durchblicken. Es sei "wichtig, dass der Verein seinen Überzeugungen folgt", er respektiere den Schritt, "den sich Vorstand und Aufsichtsrat bestimmt nicht leicht gemacht haben".

Müller hielt aber nicht damit hinter dem Berg, dass ihm das jüngste "Hin und Her in der Öffentlichkeit nicht gefallen" habe. Dennoch spüre er "von allen Beteiligten die Wertschätzung für meine lange Zeit beim FC Bayern".

Eberl nennt Grund für Trennung

Ausschlaggebend für die Trennung war laut Max Eberl "ganz allein die Kaderplanung, bei der wir den Fokus auf die Zukunft richten". Der Sportvorstand hatte noch im Januar den Eindruck erweckt, Müller könne selbst entscheiden, ob er bleiben wolle. Doch der Aufsichtsrat senkte letztlich den Daumen, Ehrenpräsident Uli Hoeneß nahm die Entscheidung mit einer öffentlichen Aussage zur Rolle Müllers als Edelreservist vorweg.

Müller spielte zum Ende seines Briefes gekonnt humorvoll auf die Unstimmigkeiten an. "Hier halte ich es wie mit meinem Fußballspiel: Das war auch nicht immer von Perfektion geprägt." Doch "nach einem Fehlpass gilt es, den Ball mit mannschaftlicher Geschlossenheit zurückzuerobern".

Das soll auf der Zielgeraden seiner Bayern-Zeit gelingen. Nach dem Ausfall von Zauberfuß Jamal Musiala ist Müller beginnend mit dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League am Dienstag (21:00 Uhr/Prime Video) plötzlich wieder verstärkt gefordert.

"Es wäre ein Traum für mich", meinte Müller, "die Meisterschale wieder nach Hause zu holen und Ende Mai das ersehnte Finale Dahoam zu erreichen." Es wäre ein versöhnliches Ende - dann womöglich sogar ohne Störfunk. (SID/bearbeitet von tas)