Max Eberl wird am Samstag genau ein Jahr beim FC Bayern München als Sportvorstand im Amt sein. Wir ziehen eine erste Bilanz, wie er sich bislang auf dem Transfermarkt, bei der Trainerwahl, der Kaderplanung und der Außendarstellung geschlagen hat.

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Der erste Jahrestag von Max Eberl nähert sich. Kommenden Samstag, den 1. März, wird der Sportvorstand des FC Bayern München offiziell genau ein Jahr im Amt sein. Die sportliche Bilanz unter seiner Führung: 34 Siege, acht Unentschieden, zehn Niederlagen – und bislang noch kein Titel. Dies ist allerdings nicht Eberl anzulasten.

Als der 51-Jährige seinen Dienst antrat, war Bayer Leverkusen in der Meisterschaft bereits um acht Punkte enteilt. In der Champions League erreichte der FC Bayern später immerhin das Halbfinale und scheiterte nur knapp am späteren Titelträger Real Madrid.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Eberl mit dem FC Bayern in dieser Saison seinen ersten Titel gewinnen wird. Zumindest die deutsche Meisterschaft dürfte dem Verein bei acht Punkten Vorsprung auf Leverkusen kaum noch zu nehmen sein. Welchen Wert die Arbeit von Eberl bislang hat, zeigt sich auch in anderen Aspekten.

Transfers

Der FC Bayern hat unter der Leitung von Eberl laut "transfermarkt.de" 149 Millionen Euro Ablöse für neue Spieler ausgegeben und 84,35 Millionen Euro durch Spielerverkäufe eingenommen. Den Transfer-Flop Bryan Zaragoza (derzeit verliehen an CA Osasuna) müsste man allerdings herausrechnen, weil dieser bereits vor Eberl fix gemacht wurde.

Der Flügelspieler Michael Olise, der für eine Ablöse von 53 Millionen Euro von Crystal Palace kam, erwies sich als Volltreffer. Dem Flügelspieler gelangen in 35 Spielen zwölf Tore und zwölf Vorlagen. Der defensive Mittelfeldspieler João Palhinha hingegen, der im zweiten Anlauf für 51 Millionen Euro vom FC Fulham kam, hat sich bislang nicht durchgesetzt – zum Teil auch, weil er von Verletzungen gebeutelt wurde.

Verteidiger Hiroki Ito wurde im Sommer für 23,5 Millionen Euro vom VfB Stuttgart verpflichtet und war lange verletzt, zeigt nun aber gute Ansätze. "Er hat in ganz wenig Zeit gezeigt, dass er für diesen Verein ein sehr wertvoller Spieler sein wird", lobt Trainer Vincent Kompany.

Ebenfalls positiv: Mit dem 19-jährigen Tim Bischof (TSG Hoffenheim) wurde eines der größten Talente im deutschen Fußball für Sommer 2025 ablösefrei verpflichtet.

Viel Unverständnis löste der Verkauf von Matthijs de Ligt an Manchester United (45 Millionen Euro) aus, weil dem FC Bayern seitdem ein echter Führungsspieler in der Abwehr fehlt. Zur Wahrheit gehört auch, dass es Eberl nicht gelang, die wenig spielenden Großverdiener wie Leon Goretzka, Serge Gnabry oder Kingsley Coman zu verkaufen.

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Trainerwahl

Die Trainersuche im vergangenen Jahr glich einer öffentlichen Demütigung. Bereits vor dem Dienstantritt von Eberl wurde entschieden, dass die Zusammenarbeit mit Thomas Tuchel vorzeitig im Sommer 2024 endet. Eberl musste somit einen Nachfolger finden – zunächst ohne Erfolg.

Xabi Alonso, Julian Nagelsmann, Roberto De Zerbi, Roger Schmidt und Ralf Rangnick galten als potenzielle Nachfolger. Doch niemand wollte offenbar zum FC Bayern! Der Tiefpunkt war, als der FC Bayern plötzlich doch Tuchel behalten wollte, dieser allerdings dann bei einer Pressekonferenz verkündete: "Wir haben keine Einigung gefunden für eine weitere Zusammenarbeit."

Trainer Vincent Kompany war also nicht die erste Wahl. In der Öffentlichkeit gab es viele Skeptiker, weil er in England mit dem FC Burnley aus der Premier League abgestiegen war. Doch Eberl ließ sich nicht beirren. Aus gutem Grund: Mit seiner ruhigen und besonnenen Art passt Kompany perfekt in das hektische Umfeld des FC Bayern. Er pflegt einen guten Umfang zu den Spielern. Taktisch mag er teilweise noch Luft nach oben haben, weil die Defensive sich oft als anfällig erweist. Mit seinen 38 Jahren ist Kompany allerdings auch noch ein junger Trainer.

Kaderplanung

Die Vertragsverlängerung mit Jamal Musiala bis zum Jahre 2030 war teuer, aber extrem wichtig. Der 21-Jährige soll für die nächsten Jahre das Gesicht des FC Bayern sein. Zudem wurde der Vertrag mit Linksverteidiger Alphonso Davies bis 2030 verlängert, der Vertrag mit Torwart Manuel Neuer um ein weiteres Jahr.

Nun liegt der Fokus darauf, auch noch Joshua Kimmich über den Sommer hinaus an den Verein zu binden. Auch mit Thomas Müller möchte Eberl verlängern, sofern der Routinier seine Karriere fortsetzt. Die Zukunft von Leroy Sané ist noch ungewiss.

Die Kehrseite der Medaille ist: Laut einem Bericht der "Sport Bild" bekam Eberl vom Aufsichtsrat die Aufgabe übertragen, die Kaderkosten um 15 bis 20 Prozent zu reduzieren. Dies dürfte allerdings schwierig werden, nachdem die Gehälter von Musiala, Davies und möglicherweise bald auch Kimmich erhöht wurden. Insgesamt ist der Kader des FC Bayern in der Breite gut aufgestellt. Doch es gibt eine Ausnahme: Es wurde verpasst, einen Ersatz für Stürmer Harry Kane zu verpflichten. Im Gegenteil: im Winter hat mir Mathys Tel sogar ein Stürmer den FC Bayern verlassen.

Außendarstellung

Max Eberl ist niemand, der sich wegduckt. Unter seiner Leitung wurde eingeführt, dass der Trainer bei Pressekonferenzen vor den Spielen nicht mehr alleine den Journalisten gegenübersitzt, sondern Eberl oder Sportdirektor Christoph Freund an der Seite hat. Kompany muss dadurch lediglich Fragen zum sportlichen Bereich beantworten, während Eberl bzw. Freund zu den sonstigen Themen Stellung beziehen.

Die Kehrseite: Nach Niederlagen reagierte Eberl teilweise dünnhäutig. Der frühere Bayern-Spieler Stefan Effenberg schrieb im Dezember in seiner Kolumne auf "t-online": "Eine klare Kante weiß ich zwar zu schätzen, und es ist gut möglich, dass Max da ein wenig die Rolle von Uli Hoeneß übernehmen will, der früher gerne die Aufmerksamkeit auf sich zog, um von der Mannschaft abzulenken. Er muss da aber noch das richtige Maß finden."

Immerhin: Die 0:3-Pleite bei Feyenoord Rotterdam moderierte Eberl souverän weg, ohne allzu viel Kritik gegen die Mannschaft zu äußern. Dass er sich öffentlich stets vor die Spieler stellt, dürfte seinem Standing innerhalb des Vereins guttun. Und das ist im Zweifel sogar wichtiger als die Außendarstellung.

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