Bayern-Trainer Vincent Kompany muss seine Abwehr nach den Verletzungen von Alphonso Davies und Dayot Upamecano umbauen. Dafür hat er mehrere Optionen.

Eine Analyse
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Ludwig Horn sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfließen. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Es passiert immer wieder und trotzdem tut es jedem Team immer wieder aufs Neue weh: Spielerverletzungen. Innerhalb eines Tages ereilten den FC Bayern gleich zwei Hiobsbotschaften. Zunächst hieß es, Innenverteidiger Dayot Upamecano würde für einige Wochen ausfallen. Bei dem Franzosen seien freie Gelenkkörper im linken Knie gefunden worden, teilte der Verein am Mittwoch mit. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung könnte der 26-Jährige sogar noch länger ausfallen. Demnach sei bei ihm ein Knorpelschaden entdeckt worden. In diesem Fall würde Upamecano eher drei Monate ausfallen, damit wäre für ihn die Saison bereits beendet.

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Noch schlimmer erwischte es Alphonso Davies. Der Linksverteidiger zog sich im Länderspiel seiner Kanadier gegen die USA einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu. Der 24-Jährige, der erst kürzlich seinen Vertrag in München verlängert hatte, könnte erfahrungsgemäß mindestens sechs Monate fehlen. Laut dem Bericht der Bild liegt jedoch auch bei Davies ein Schaden ein Knorpel vor. Seine Ausfallzeit könnte sich dann auf bis zu acht Monate verlängern.

Verletzungen kommen für den FC Bayern zur Unzeit

Für den FC Bayern kommen die Verletzungen zur Unzeit. Die aktuelle Saison biegt langsam aber sicher auf die Zielgerade ein und nach einer titelfreien Vorsaison müssen für das Münchner Selbstverständnis unbedingt wieder Pokale her. Dabei stehen in der Bundesliga, wo der Vorsprung des Tabellenführers auf Verfolger Bayer Leverkusen zuletzt auf sechs Punkte geschrumpft ist, entscheidende Wochen an.

Und auch in der Champions League hat der FCB noch viel vor. Wie vor 13 Jahren findet das Finale der Königsklasse in der heimischen Allianz Arena statt. Der FC Bayern, der dort vor zwölf Jahren das Finale gegen den FC Chelsea denkbar knapp im Elfmeterschießen verlor, will Wiedergutmachung und träumt vom europäischen Titel im eigenen Stadion. Nächste Hürde auf dem Weg dorthin ist im Viertelfinale der italienische Tabellenführer Inter Mailand.

Das Erreichen der wie immer ambitionierten Ziele des FC Bayern ist durch die Verletzungen nicht leichter geworden. Sowohl Davies als auch Upamecano sind absolute Stützen in der Defensivreihe. Trainer Vincent Kompany wird nun umstellen müssen. Das sind dabei seine Optionen:

Neuzugang Hiroki Ito muss nun liefern

Hiroki Ito kommt als Ersatz für beide infrage. Der Japaner, der selbst verletzungsbedingt die gesamte Hinrunde verpasst hatte, kann sowohl links als auch innen in der Viererkette auflaufen. In seinen bisher sieben Spielen für den FC Bayern kam der 25-Jährige hauptsächlich als Linksverteidiger zum Einsatz. Gegen einen Einsatz links spricht, dass Ito vermutlich innen noch mehr gebraucht wird.

Die Position des Linksverteidigers können im Bayern-Kader außerdem noch Raphaël Guerreiro, der seine Stärken aber eher im zentralen Mittelfeld hat, sowie der eigentliche Rechtsverteidiger Josip Stanisic bekleiden.

Zentrale Rolle für Eric Dier

Eric Dier und Hiroki Ito.
Könnten beim FC Bayern in den nächsten Wochen in den Fokus rücken: Eric Dier (l.) und Hiroki Ito. © IMAGO/Sven Simon/Frank Hoermann

Eine zentrale Rolle dürfte in den kommenden Wochen auch Eric Dier einnehmen. Der Engländer kommt in der laufenden Saison nicht mehr so viel zum Einsatz, wie noch unter Kompany-Vorgänger Thomas Tuchel. Wenn der Innenverteidiger spielt, weiß er aber meistens zu überzeugen. Seine Stärken liegen im Passspiel und in der Zweikampfführung. Gegen ihn spricht seine fehlende Schnelligkeit, die im Bayern-Spiel mit einer hoch stehenden Abwehrreihe eigentlich kaum verzichtbar ist.

Dennoch wird an ihm in den nächsten Spielen kein Weg vorbeiführen – auch weil mit Minjae Kim ein weiterer Innenverteidiger angeschlagen ist. Sollte Kim fit sein, könnte er gemeinsam mit Dier die Innenverteidigung bilden, während Ito als Linksverteidiger aufläuft.

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Das nächste Spiel am kommenden Samstag gegen den FC St. Pauli (15:30 Uhr/Sky) könnte der FC Bayern möglicherweise mit Guerreiro links, Ito und Dier innen und mit Stanisic oder Konrad Laimer rechts in der Verteidigung angehen. Möglich wäre auch, dass links Ito anstatt Guerreiro spielt und Kim mit Dier die Innenverteidigung bildet.

Gegen vermeintlich einfachere Gegner in der Bundesliga könnte der FC Bayern damit – auch angesichts des Vorsprungs auf Leverkusen – durchkommen. In der Champions League könnte es gegen höherklassige Gegner allerdings schwierig werden.

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Teaserbild: © IMAGO/Marco Steinbrenner/DeFodi Images