Der Ausfall von Abwehrspieler Alphonso Davies trifft den FC Bayern hart. Die Münchner sind entsprechend sauer auf Kanadas Verband. FCB-Boss Jan-Christian Dreesen spricht von deutlichen Konsequenzen. Möglicherweise steht den Münchnern Geld von der Fifa zu.
Wegen der folgenschweren Knieverletzung von Alphonso Davies erwägt der FC Bayern eine Klage gegen den kanadischen Fußball-Verband. Der Abwehrspieler hatte jüngst in einem Länderspiel einen Kreuzbandriss erlitten und fällt mehrere Monate aus. "Wir fordern von Canada Soccer eine lückenlose Aufklärung der Abläufe und behalten uns juristische Schritte ausdrücklich vor", sagte Münchens Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen der "Bild"-Zeitung.

Dreesen: "Klarer Verstoß gegen medizinische Sorgfaltspflicht"
Dies sorgte für großen Ärger bei den Bayern. "Einen offensichtlich verletzten Spieler mit einem angeschlagenen Knie ohne fundierte medizinische Abklärung auf einen zwölfstündigen Interkontinental-Flug zu schicken, ist aus unserer Sicht grob fahrlässig und ein klarer Verstoß gegen die medizinische Sorgfaltspflicht", schimpfte Dreesen.
Auch dass der zuletzt formstarke Abwehrspieler überhaupt aufgestellt wurde, empört die Münchner. "Insgesamt ist der Einsatz von Davies, der vor dem Spiel schon muskuläre Beschwerden hatte, in einem sportlich unbedeutenden Spiel aus unserer Sicht in keinster Weise nachvollziehbar", sagte Dreesen.
FCB-Sportdirektor
Davies-Berater schimpft und richtet dann den Blick nach vorne
Besonders bitter für die Bayern ist, dass neben Davies in den anstehenden Partien im Kampf um die Meisterschaft und die Champions League auch noch die ebenfalls verletzten Verteidiger Minjae Kim und Dayot Upamecano ausfallen.
Vor Dreesen hatte schon Davies-Berater Nedal Huoseh in einem Interview scharfe Kritik am kanadischen Verband geübt und Auswahltrainer
Erinnerungen an den Fall Robben im Jahr 2010
Bei der Angelegenheit werden Erinnerungen an einen über 14 Jahre zurückliegenden Fall wach. Der damalige Bayern-Spieler
Die Bayern waren damals der Ansicht, der Muskelriss sei eine Folgeverletzung des angeblich leichten Muskelfaserrisses, den Robben schon während der WM-Vorbereitung erlitten haben soll. Der damalige Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hatte daraufhin eine Entschädigungszahlung des niederländischen Verbands gefordert, die dieser jedoch verweigerte.
Nach langen Streitereien einigten sich beide Parteien schließlich darauf, nach Ablauf der Saison 2011/2012 ein Freundschaftsspiel zwischen dem FC Bayern und der niederländischen Nationalmannschaft zu bestreiten. Das Spiel, das am 22. Mai 2012 stattfand, ging dann allerdings ordentlich in die Hose.
Freundschaftsspiel zwischen Bayern und Niederlande wird zum Desaster
Nach drei verpassten Titeln in der Saison – über allem stand das bitter verlorene Champions-League-Finale im eigenen Stadion drei Tage zuvor – war der Schmerz bei den Bayernfans noch groß. Robben wurde bei dem Kompensationsspiel rund 15 Minuten vor Schluss eingewechselt und wurde dann bei jedem Ballkontakt von einem Großteil der Münchner Fans ausgepfiffen.
Robben hatte sowohl im wohl entscheidenden Meisterschaftsspiel bei Borussia Dortmund als auch im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea einen Elfmeter verschossen. Ein Happy End gab es für den FC Bayern und Robben am Ende doch noch. In der Folgesaison gewannen sie das Triple, im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund erzielte Robben kurz vor Schluss den entscheidenden Treffer.
Bayern München könnte Geld von der Fifa bekommen
Ein Freundschaftsspiel zwischen Kanada und dem FC Bayern ist derzeit nicht in Planung. Einen finanziellen Trost könnte es für den sportlich von den Verletzungen gebeutelten FC Bayern aber trotzdem geben.
Möglicherweise hat der Verein einen Anspruch auf eine Entschädigung. Das sogenannte "Club Protection Programme" der Fifa sieht vor, dass Vereine für den Ausfall ihrer Profis kompensiert werden, wenn sie sich bei Spielen mit der A-Nationalmannschaft verletzen. Dafür müssen die Klubs ihre Ansprüche allerdings geltend machen.
Betroffene Vereine können eine maximale Summe von 7,5 Millionen Euro erhalten. Der größtmögliche Tagessatz liegt bei 20.548 Euro und wird höchstens 365 Tage ausgezahlt. Der Anspruch besteht im äußersten Fall für einen Zeitraum von 365 Tagen. Bei der Berechnung der Entschädigungssumme wird das Fixgehalt des verletzten Profis herangezogen. Bonuszahlungen oder Handgelder sind davon ausgeschlossen.