Belgrad - Ihre Geschichte ist so bewegt wie die Wellen der Ausflugsboote, die sie zum Ziel haben: Von der Festung Golubac ist die Rede. An der Donau in Serbien gilt sie als die prächtigste aller Burgen.

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Und es kann kaum ein Zufall sein, dass Europas zweitlängster Fluss sich dort in einer Art ausbuchtet, wie nirgends anders. 6,4 Kilometer ist die Donau breit, wo sich der neuntürmige Bau am Ufer erhebt. Der gewaltige Strom ist hier am Rande des sich mit sanften Hügeln ankündigenden Djerdap-Nationalparks eher ein großer See.

Kein Wunder also, dass die Lage der Burg ihr im Mittelalter eine strategisch wichtige Funktion zuwies. Sie diente als Verteidigungsposten, hier wurde Handel entlang der Lebensader kontrolliert.

In Golubac bekämpften sich im Spätmittelalter Osmanen und Ungarn, erst 1876 fiel die Festung an Serbien zurück. "Die Burgherren steckten die Spitzen ihrer Speere in giftige Pilze und zielten damit auf Angreifer", sagt Dragana Petrovic, die Führungen auf die Burg anbietet.

Wer heute kommt, dem wird nicht mehr feindlich begegnet - ganz im Gegenteil. Noch vor zehn Jahren war Golubac eine Ruine. Jetzt erstrahlt sie nach ihrer Sanierung in neuem Glanz. Die kleine Straße, die sich früher durch den unteren Teil der Festung wand, wurde verlegt. Längst ist auch der Eisenbahntunnel, durch den in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der legendäre Orient-Express ratterte, still gelegt.

Burg Golubac ist ein Highlight, aber längst nicht das Einzige an der Donau, die sich auf 588 Kilometern Länge durch das Land schlängelt. In direkter Nachbarschaft befindet sich das weltberühmte Eiserne Tor, das größte Durchbruchstal, das die Donau erschuf.

100 Kilometer entlang steiler Felswände

Hier, in den Südkarpaten, beginnt eine der längsten und tiefsten Schluchten in ganz Europa, über mehr als 100 Kilometer windet sich das Fließgewässer kraftvoll zwischen Serbien auf der einen und Rumänien auf der anderen Seite entlang steil aufragender Felswände. Vor dem Bau zweier Staudämme in den 1970er Jahren galt der Abschnitt in der Schifffahrt wegen zahlreicher Strudel und Stromschnellen als extrem gefährlich.

Golubac-Festung in Serbien
Einst Verteidigungsposten, dann Ruine, heute eine Sehenswürdigkeit: die Golubac-Festung an der Donau. © dpa / Ute Müller/dpa-tmn

Diese Zeiten sind vorbei, eine kulturhistorische Schatzkammer ist dieser Flussabschnitt geblieben. Dass schon die Römer hier eine Uferstraße bauten - daran erinnert Tafel des Trajan, eine dem römischen Kaiser gewidmete Felsinschrift nahe der Ortschaft Golo Brdo direkt am Wasser.

Auf rumänischer Uferseite rund 60 Kilometer flussaufwärts fasziniert die nach zehn Jahren Bauzeit 2004 fertiggestellte größte Felsskulptur Europas: Sie stellt den Dakerkönig Decebalus dar, der einst gegen die Römer kämpfte und der mit eiserner Miene den Schiffsverkehr auf der Donau zu beobachten scheint.

Riesige Köpfe mit Fischaugen

Weitere rund 100 Kilometer gegen die Fließrichtung ist auf wiederum serbischer Uferseite die Siedlung Lepenski Vir ein wichtiger Anlaufpunkt für prähistorisch Interessierte: Riesige Steinskulpturen von Köpfen mit Fischaugen und Fischmündern versetzen die Besucher ins Staunen.

Dank eines angenehmen Mikroklimas am Donauufer lebten hier bereits vor 8.000 Jahren Menschen, die Überreste ihrer trapezförmigen Häuser sind überdacht und die Originalfunde im Belgrader Nationalmuseum untergebracht.

Auch die beiden wichtigsten Städte des Landes, Belgrad und Novi Sad, entstanden am Ufer des mächtigen Stroms. "Die Donau war schon immer unsere Lebensader und verbindet uns mit vielen Ländern, insbesondere in Mittel- und Westeuropa", sagt der gebürtige Serbe Goran B. Rajkovic, der als Unternehmensberater und Reiseführer arbeitet. In den vergangenen Jahren musste die Donau als ein Symbol der europäischen Integration herhalten - seit 2012 ist Serbien Beitrittskandidat der EU.

Die Hinwendung zum Westen geht allerdings langsamer vonstatten als in anderen ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken wie Kroatien oder Montenegro. Musiker im Altstadtviertel Skadarlija geben urbane Schlager aus der Zeit des ersten Jugoslawien (1918-1941) zum Besten, das ein serbisch dominiertes Königreich war - zumindest darin scheinen nostalgische Empfindungen nach der einstigen Vorrangstellung Serbiens in der Zeit vor Tito durch.

Golubac-Festung in Serbien
Dort, wo die Golubac-Festung thront, ist die Donau mehrere Kilometer breit. © dpa / Ute Müller/dpa-tmn

Die Bürger wollen ein anderes Serbien, doch eher aufgrund der aktuellen politischen Lage. Seit Monaten gehen die Menschen bei von Studenten getragenen Demonstrationen, Sternmärschen und Uni-Blockaden auf die Straße, um gegen den teils autoritär herrschenden Präsidenten Aleksandar Vucic zu protestieren. Das Auswärtige Amt rät Reisenden, größere Menschenansammlungen weiträumig zu meiden.

Ausblick auf den Zusammenfluss von Donau und Save

Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Hauptstadt ist die Festung Kalemegdan. Kalemegdan ist das türkische Wort für Schlachtfeld. 115 Mal kämpften hier Byzantiner, Serben, Bulgaren, Osmanen, Ungarn, Österreicher um das Tor zum Balkan.

Ein militärhistorisches Museum vertieft die Geschichte. Heute ist die Bastion mit ihrem herrlichen Ausblick auf den Zusammenfluss der Donau und der Save aber auch ein großes Freizeitgelände für die Belgrader mit Spielplätzen, Sportanlagen und Dinosaurier-Park für die Kinder.

Nicht weit von hier wurde vor einigen Jahren der Tempel des Heiligen Sava vollendet, mit dessen Errichtung man schon 1935 begann, der aber immer wieder unterbrochen wurde. Der monumentale Bau im neobyzantinischen Stil wurde die zweitgrößte orthodoxe Kirche der Welt. Mit 50 Millionen Mosaiken im Inneren kann es diese Kirche an Pracht durchaus mit der Hagia Sophia in Istanbul aufnehmen.

Wohl kaum eine Stadt in Osteuropa ist derzeit so im Wandel wie Belgrad, was der 1,4-Millionen-Einwohner-Kapitale den Spitznamen "Berlin des Ostens" einbrachte. Stadterneuerungsprojekte entstehen stets rund um die Donau. So hat sich ein Gelände ehemaliger Getreidespeicher zu einer Kultur- und Party-Location namens Silosi gewandelt. Junge Leute fläzen bei lautstarker Musik am Ufer in Strandliegen und schauen in den Sonnenuntergang.

Versetzte Ausgrabungsstätte Lepenski Vir unter Glasdach
Reise in die Geschichte: die prähistorische Siedlung Lepenski Vir am Donauufer. © dpa / Ute Müller/dpa-tmn

Städtischer Sandstrand am Flussufer

Weitere 100 Kilometer westwärts am Fluss liegt Novi Sad, wo die Menschen aktuell ebenfalls auf die Straße gehen. Serbiens heute mit gut 300.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt war bis 1918 Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie. Auch wegen der Architektur aus dieser Zeit war Novi Sad 2022 Kulturhauptstadt Europas.

Neben den serbisch-orthodoxen und katholischen Kirchen sowie Moscheen und Synagogen, die im Grunde von einem friedlichen Miteinander über die Jahrhunderte erzählen, hat auch sie eine prachtvolle Festung: Petrovaradin.

Von dem Plateau, auf dem sie über dem Fluss thront, sieht man die Hügel des Nationalparks Fruska Gora, beliebtes Ausflugsziel, und unten am Fluss den städtischen Sandstrand, der im Sommer gut besucht ist. Guide Goran wird sentimental: "Wir Serben haben ja keinen direkten Zugang mehr zum Meer. Die Donau ist daher unsere Adria."

Links, Tipps, Praktisches:

Reiseziel: Serbien liegt im Zentrum der Balkanhalbinsel.

Beste Reisezeit: Ab April sind die Tage oft schon angenehm warm, im Juli und August herrscht sommerliche Hitze. Frühjahr und Herbst eignen sich am besten für Outdoor-Aktivitäten.

Anreise: Mehrmals wöchentlich Flüge mit Air Serbia, WizzAir, Eurowings oder Lufthansa von Berlin, Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Dortmund, Nürnberg, Karlsruhe, Stuttgart, München und Memmingen nach Belgrad. Mit dem Auto dorthin sind es ab Berlin 1.250 Kilometer, ab München rund 950 Kilometer.

Unterkunft: Belgrad bietet von Hotels bekannter Ketten über Boutique-Hotels bis zu Privatunterkünften eine große Auswahl. Unterkünfte im Rest des Landes listet zudem die Website der Nationalen Tourismusorganisation.

Festung Kalemegdan in Belgrad
Top-Sehenswürdigkeit in der Hauptstadt: die Festung Kalemegdan in Belgrad. © dpa / Ute Müller/dpa-tmn

Geld: Währung ist der Serbische Dinar. 1 Euro entspricht 117 Dinar (Stand: 02.04.2025)

Weitere Auskünfte: www.serbia.travel.de.  © Deutsche Presse-Agentur