Eine investigative Recherche zeigt: In vielen Kaufland-Märkten gibt es gravierende Mängel bei der Lebensmittelsicherheit. Von manipulierten Haltbarkeitsdaten bis hin zu Mäusebefall – die Ergebnisse sind besorgniserregend. Jetzt hat sich der Deutschland-Chef der Supermarktkette zu den Vorwürfen geäußert.

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Mäusekot in der Backwarenabteilung, verschimmelter Käse sowie Fäkalkeime auf Hähnchenfleisch: Aktuelle Enthüllungen über mutmaßliche Hygienemängel bei Kaufland sind alarmierend. Ein Reporterteam von "Stern" und RTL hat in 48 von 50 untersuchten Märkten gravierende Mängel bei der Hygiene und der Lebensmittelsicherheit aufgedeckt. Nun zieht die Supermarktkette Konsequenzen.

Das sind die Vorwürfe gegen Kaufland

Für die Recherche arbeiteten zwei Reporterinnen verdeckt in zwei Kaufland-Filialen. Sie stießen dabei auf gravierende Missstände: Im bayerischen Bad Tölz etwa soll bei Produkten wie Antipasti mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum getrickst worden sein, um abgelaufene Ware weiterhin verkaufen zu können.

Außerdem soll verschimmelter Käse für den Verkauf "aufgehübscht" worden sein: Die Reporterin habe die Anweisung bekommen, den Schimmel abzuschneiden und die verbliebenen Reste in den Kühltruhen der Selbstbedienung auszulegen – mit neuem Mindesthaltbarkeitsdatum. Man könne ja nicht den ganzen Käse wegwerfen, soll eine Mitarbeiterin zu der verdeckten Journalistin gesagt haben. "Ich bin fassungslos. Möchte meine Hände die ganze Zeit waschen. Muss würgen", berichtet die verdeckte Journalistin im "Stern".

Fäkalkeime auf Hähnchen

In Homburg im Saarland soll es den Recherchen zufolge Mäuse in der Kaufland-Filiale geben: Mitarbeiter berichten von Tieren, die sich nachts in den Regalen tummeln und Reporter entdeckten in der Backwarenabteilung Mäusekot unter Brotkisten.

Gegenüber dem "Stern" räumt eine Sprecherin von Kaufland einen "Schädlingsbefall" ein. Bereits Ende des vergangenen Jahres ist laut dem saarländischen Umweltministerium ein "massiver Schadnagerbefall" festgestellt worden. Es laufe ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.

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In einem Großteil der 50 untersuchten Filialen seien außerdem etwa defekte Kühltruhen und Schimmel dokumentiert worden. Abstriche in den Kühlregalen zeigten erhebliche Mängel: In einer bayerischen Filiale wurde ein Wert von rund 3.000 koloniebildenden Einheiten festgestellt – das entspricht dem 300-Fachen des zulässigen Grenzwerts. Zudem ergaben Laboranalysen von 30 Hähnchenprodukten, dass 15 Proben Fäkalkeime (Campylobacter) aufwiesen.

Darüber hinaus stehen auch die Arbeitsbedingungen bei Kaufland in der Kritik: Mitarbeitende berichten laut "Stern" von einem enormen Arbeits- und Leistungsdruck. Bei Krankheitsausfällen würden Konsequenzen drohen.

So reagiert der Kaufland-Chef auf die Vorwürfe

Der Chef von Kaufland Deutschland, Jochen Kratz, hat sich in einem Interview mit der "Bild" zu den Vorwürfen geäußert und räumte ein: "Trotz strenger Regeln und regelmäßiger Schulungen kam es zu Verstößen." Diese müssten nun analysiert und behoben werden. In die Aufarbeitung sollen auch externe Experten einbezogen werden.

Die direkte Konsequenz: Die Filiale in Homburg wurde Kratz zufolge sofort geschlossen. "Die ursprünglich geplante Renovierung im zweistelligen Millionenbereich machen wir jetzt während der Schließzeit", sagte er. Was dort zu sehen gewesen sei, werde es so nicht mehr geben. Belegschaft und Betriebsrat seien informiert worden. Die rund 100 Beschäftigen werden während der Arbeiten bezahlt freigestellt. Der Markt soll in fünf bis sechs Monaten wieder öffnen.

In dem Markt in Bad Tölz habe es bereits umfassende Schulungen gegeben. "Aus Sicherheitsgründen haben wir zudem entschieden, die betroffene Filiale nochmals für eine Woche zu schließen", sagte Kratz. Diese Entscheidung sei am Freitag (4. April) getroffen worden. Sämtliche Abläufe und Bedingungen sollen gründlich überprüft werden: "Wir drehen alles von links nach rechts und von rechts nach links." Der genaue Zeitraum der Schließung ist bisher offen.

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigte Kaufland zudem personelle Konsequenzen: In den beiden Märkten sei man bereits mit einer neuen Führung im Einsatz. Das Unternehmen kündigte außerdem an, in den kommenden Wochen alle Filialen in Deutschland einer Grundreinigung zu unterziehen und Kühlgeräte auszutauschen.

Kaufland hat seinen Hauptsitz in Neckarsulm in Baden-Württemberg. Die Supermarktkette hat nach eigenen Angaben mehr als 770 Filialen und über 90.000 Beschäftigte in Deutschland. Kaufland ist wie der Discounter Lidl ein Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe.

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