Vor drei Monaten, am 1. Jänner 2025, ist in Österreich die Umstellung auf Einwegpfand und Aluminiumdosen gestartet. Der Geschäftsführer der Recycling Pfand Österreich zieht eine positive Bilanz und gibt einen Ausblick auf die Zukunft von Österreich als "Pfandland".
Mit 1. Jänner hat in Österreich die Umstellung auf ein Einwegpfand auf Plastikflaschen und Aluminiumdosen begonnen. Hauptverantwortlich für die Umsetzung ist die gemeinnützige gGmbH Recycling Pfand Österreich. Deren Geschäftsführer, Simon Parth, zog nach drei Monaten eine positive Bilanz, "ohne große Aufreger, in welche Richtung auch immer" sei der Start verlaufen. 26 Millionen Gebinde mit Pfandsymbol wurden in 13 Wochen retourniert, ergänzte Geschäftsführerin Monika Fiala.
Rund 6.000 Rückgabeautomaten sowie rund 8.000 manuelle Rücknehmer wie Würstelstände, Bäckereien oder Kantinen sind aktuell vorhanden. Ziel ist es in naher Zukunft jährlich rund 2,2 Milliarden Flaschen und Dosen zu recyceln. Insgesamt gilt Österreich zwar nicht als Einwegpfand-Vorreiter, da sei man die Nummer 18 in Europa, sagte Parth, sei aber trotzdem ein "Pfandland". Er verwies dabei auf die langjährige Erfahrung mit Mehrwegpfand, die so vielleicht einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen Ländern bringe. Die vorher auf Mehrweg spezialisierten Automaten seien in vielen Shops nur umgerüstet worden. Und ein weiterer Vorteil für Österreich sei es nach Finnland das dichteste Filialnetz im Einzelhandel und infolge auch viele Rücknahmeautomaten zu besitzen.
Ab Sommer nur noch Pfandflaschen erhältlich?
Eine konkrete Rücklaufquote kann aktuell noch nicht genannt werden, "eine wirklich ernst zu nehmende Zahl wird es Ende des Jahres geben", eine erste Schätzung sei davor möglich, sagte Parth im Gespräch mit der APA. Noch gibt es im Handel weiterhin Einweg-Gebinde ohne Pfand, zudem war es noch bis 31. März möglich gewesen, diese weiter zu produzieren. Trotzdem geschehe die Umstellung deutlich schneller als erwartet: "Wir glauben, wer im Sommer in die Regale sieht, muss schon genau suchen, um noch Produkte ohne Pfandlogo zu finden", prognostizierte Parth.
Verkauft werden dürfen derartige Gebinde aber noch bis Jahresende - und werden aktuell oft auch zum Auslöser für Konsumentenanfragen à la "der Automat hat mein Gebinde nicht zurückgenommen", erläuterte Fiala aus der Praxis. Wenn man sich dann ein Foto schicken lasse, stelle man fest: "es war noch kein Pfandgebinde." Verwechslungen dieser Art seien durch das noch vorherrschende "Mischdasein" von Pfand- und Nicht-Pfand-Produkten jedoch verständlich.
Ziel des Einwegpfands
Im Zuge der Umstellung befinde man sich in einem permanenten Austausch mit den Konsumenten und Konsumentinnen. Für diese betreibt Recyclingpfand Österreich eine Service-Hotline und ist per E-Mail-Adresse oder über Social-Media-Kanäle erreichbar. "Wir sind auch ein operativ tätiges Unternehmen", so Parth. So organisierte man die gesamte Logistik von der kleinen Filiale hin zur Sortieranlage, "auch das ganze Pfand-Clearing läuft durch uns". Zusammenfassend trage man die Verantwortung für die gesamte Kette - "wenn die Pfandrückgabe da Zean einem Tag nicht funktionieren würde, dann bekommen wir das mit", ergänzte Fiala.
Das eigentliche Ziel des Einwegpfands ist es, dass dieses Segment einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und Recycling leistet und somit die Umweltverschmutzung eindämmt: "Dieses 'Littering' verschwindet durch ein Pfandsystem, weil jede Flasche und Dose 25 Cent wert ist. Und daher war die Zustimmung für dieses Pfandsystem schon immer sehr hoch". Dazu soll in Österreich bis 2027 die Rücklaufquote von rund 70 Prozent auf mindestens 90 Prozent gesteigert und damit die entsprechende Richtlinie (Single-Use-Plastic) zwei Jahre schneller erfüllt werden als von der EU vorgegeben. Und das Pfand für nicht retourniertes Gebinde - der sogenannte Pfandschlupf - wird für die Weiterentwicklung des Systems verwendet.
Fiala wies auf eine weitere, wichtige EU-Vorgabe hin, wonach jeder Produzent in seinen PET-Kunststoffflaschen seit heuer recyceltes Material verwenden muss. "Derzeit sind es 25 Prozent und das heißt, jeder Produzent braucht einen Teil seines Material auch wieder zurück". Und somit werde dieser Kreislauf über das Pfandsystem geschlossen, was in Österreich bisher nicht der Fall gewesen sei, denn "der Produzent hatte bis dato nicht Zugriff auf die gesammelten PET-Flaschen." (apa/bearbeitet von mak)