US-Präsident Trump verteidigt seine umstrittenen Zölle als Erfolg, während Ökonomen und Kritiker vor den möglichen negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft warnen. Die Börsen reagieren mit Rückgängen, und auch US-Bürger könnten erheblich belastet werden.
Während die Welt entsetzt auf die neuen US-Zölle blickt, ist Präsident
Als erste Reaktion auf den von Trump ausgerufenen "Befreiungstag" für die US-Wirtschaft gingen die Börsen weltweit auf Talfahrt. Auch die Wall Street verzeichnete deutliche Abschläge. Besonders stark unter Druck gerieten US-Konzerne wie Apple oder Nike, die von weltweiten Lieferketten abhängen. Genau diese dürften durch die Zoll-Bonanza des Republikaners empfindlich gestört werden. Auch die Ölpreise gerieten in der allgemeinen Panik unter Druck, ein kalter Hauch von Weltwirtschaftskrise wehte durch Washington.
US-Ökonom Krugman: "Er ist völlig verrückt geworden"
"Er ist völlig verrückt geworden", befand der US-Ökonom und Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman. Trumps Berechnung sei an den Haaren herbeigezogen, und es sei nicht klar, ob der Präsident lüge oder schlicht ignorant sei. So summiere Trump etwa die Zölle und andere Handelshemmnisse der EU für die USA auf 39 Prozent. In Wahrheit lägen sie bei unter drei Prozent.
Trumps Umfeld versuchte derweil, der am Mittwoch präsentierten Zoll-Tafel des Präsidenten mit willkürlich wirkenden Aufschlägen von zehn bis 49 Prozent einen wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen. Das Weiße Haus veröffentlichte eine Formel in griechischen Buchstaben, die offenbar den Eindruck erwecken sollte, es handele sich um einen neuen Satz des Pythagoras.
In Washington machten zunächst Spekulationen die Runde, die Formel sei von Künstlicher Intelligenz erstellt worden. Die Wahrheit scheint viel einfacher: Für die Berechnung legt die US-Regierung den Exportüberschuss des jeweiligen Landes gegenüber den USA zugrunde, wie das Weiße Haus mitteilte.
Mit gegenseitigen - sogenannten reziproken - Zöllen auf Augenhöhe, die Trump anführt, habe dies so viel zu tun "wie Astrologie mit Astronomie", schrieb der Wirtschaftsprofessor und frühere US-Finanzminister Larry Summers im Onlinedienst X.
Lösen die Zölle eine toxische Spirale aus?
Ökonomen fürchten, dass Trumps Zollkrieg gegen die ganze Welt eine toxische Spirale von steigenden Verbraucherpreisen und einbrechendem Wirtschaftswachstum auslösen könnte. Der Präsident selbst ist hingegen überzeugt, mit seiner Handelspolitik zahlreiche Arbeitsplätze in die USA "zurückholen" und damit der Wirtschaft einen Schub verleihen zu können.
Mit den erhofften Milliardeneinnahmen über die Zölle will er zudem die im Wahlkampf versprochenen Steuersenkungen finanzieren. Dazu passen allerdings nicht die Äußerungen von US-Handelsminister Howard Lutnick. Dieser zeigte sich zu Verhandlungen mit den internationalen Partnern bereit. Ohne seine Zölle oder mit geringeren Sätzen könnte Trump allerdings nicht die erwünschten Einnahmen erzielen.
Die oppositionellen Demokraten rechneten vor, Trumps Zölle würden auch US-Bürgern massiv schaden. "Die durchschnittliche amerikanische Familie wird im Jahr 5.000 Dollar mehr bezahlen", sagte der Fraktionsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, dem Sender CNN. Währenddessen plane Trump Steuererleichterungen für Milliardäre.
Der Präsident selbst zeigte sich über den Tornado der Kritik völlig unbeeindruckt. "Die Wirtschaft wird boomen", verkündete Trump in Washington vor der Rückreise zu seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida. (afp/bearbeitet von fra)