US-Präsident Trump hat Kanada mehrfach als "51. Bundesstaat" der USA verhöhnt. Nun verschärft seine Ankündigung zu neuen Auto-Zöllen die Beziehung zum Nachbarland. Kanadas Premier Carney will Konsequenzen ziehen.
Kanadas Premierminister Mark Carney hat sein Land auf eine Neuausrichtung der Beziehungen zu den USA eingeschworen. "Es ist offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten kein verlässlicher Partner mehr sind", sagte er in der Hauptstadt Ottawa.
"Die alte Beziehung, die wir zu den Vereinigten Staaten hatten, die auf einer immer tieferen Integration unserer Volkswirtschaften und enger sicherheitspolitischer und militärischer Kooperation beruhte, ist vorbei."
Kanada will Abhängigkeit von USA verringern
Zuvor hatte Carney am Donnerstag mit Kabinettsmitgliedern über die kanadische Reaktion auf die neusten Entwicklungen im Handelsstreit beraten. Infolge der Ankündigung zusätzlicher Zölle auf Autoimporte durch US-Präsident Donald Trump am Mittwoch ist aus Carneys Sicht unklar, was die USA als Nächstes tun werden. Doch die Kanadier hätten ihr Schicksal selbst in der Hand.
Kanada müsse seine Abhängigkeit von den USA dramatisch verringern und seine Handelsbeziehungen auf andere Länder ausrichten, sagte Carney. "In den kommenden Wochen, Monaten und Jahren müssen wir unsere Wirtschaft grundlegend umgestalten." Ziel sei es, sicherzustellen, dass Kanada in einer drastisch veränderten Welt erfolgreich sein könne.
"Ich weise alle Versuche zurück, Kanada zu schwächen, uns zu zermürben, uns zu brechen, damit Amerika uns besitzen kann."
"Ich weise alle Versuche zurück, Kanada zu schwächen, uns zu zermürben, uns zu brechen, damit Amerika uns besitzen kann." Das werde nie passieren.
Carney profitiert auch von Trumps Auftreten
Der 59-jährige Ökonom Carney war erst vor kurzem zum Nachfolger des kanadischen Premiers Justin Trudeau gewählt worden. Jetzt führt er die regierenden Liberalen in die Neuwahlen. Er profitiert dabei auch vom offensiven Auftreten Trumps.
Lange hatte es ausgesehen, als würden die seit fast zehn Jahren regierenden Liberalen die Wahlen sicher gegen die Konservativen verlieren. Doch nun haben sich die Umfragewerte gedreht. Trumps Aussagen sorgen für große Verunsicherung und Ärger im Land. Und den Liberalen trauen viele Kanadier offenbar eher einen selbstbewussten Kurs gegenüber den USA zu als den Konservativen, die lange die Nähe zu Trump gesucht hatten.
Kanada werde die US-Zölle mit Vergeltungsmaßnahmen bekämpfen, "die maximale Auswirkungen in den Vereinigten Staaten und minimale Auswirkungen hier in Kanada haben werden", sagte Carney. Vor allem aber werde man die kanadische Wirtschaft neu aufbauen, versprach er. (dpa/bearbeitet und erweitert von fab)