Israel will seinen Militäreinsatz im Gazastreifen ausweiten. Verteidigungsminister Katz erklärte, "große Gebiete" des Gazastreifens sollen zu "israelischen Sicherheitszonen" werden.
Der Gazastreifen wird seit Mitte März wieder massiv von Israel angegriffen. Die Armee hat zudem einen neuen Bodeneinsatz in dem Gebiet begonnen, wo seit Mitte Januar eine Waffenruhe gegolten hatte. Die israelische Regierung will damit nach eigenen Angaben die Freilassung der weiterhin von der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen festgehaltenen 58 Geiseln erwirken.
Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, Ziel der Eroberung von Gebieten im Gazastreifen und der Errichtung der "israelischen Sicherheitszonen" sei es, gegen "Terroristen" vorzugehen und "terroristische Infrastruktur" zu zerstören.
Sorge um Schicksal der verbliebenen Geiseln
Das Forum der Geiselfamilien reagierte entsetzt auf Katz' Ankündigungen. "Wurde entschieden, die Geiseln zugunsten 'territorialer Eroberungen' zu opfern?", fragte das Forum in einer Erklärung. "Anstatt die Geiseln durch ein Abkommen zu befreien und den Krieg zu beenden, schickt die israelische Regierung mehr Soldaten nach Gaza, die in denselben Gebieten kämpfen sollen, in denen sie immer und immer wieder gekämpft haben", hieß es weiter.
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Bei israelischen Angriffen vom Mittwoch wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten palästinensischen Zivilschutzbehörde mindestens 34 Menschen getötet. Israelischen Armeeangaben zufolge traf der Angriff Hamas-Mitglieder. Bei einem weiteren israelischen Luftangriff im Süden des Gazastreifens wurde nach Angaben der Zivilschutzbehörde im Morgengrauen ein von Flüchtlingen bewohntes Haus in Chan Junis getroffen. Dabei seien 13 Menschen getötet worden. Durch einen israelischen Angriff auf ein Haus im Flüchtlingslager Nuseirat im Zentrum des Palästinensergebiets seien zwei weitere Menschen getötet worden.
Sicherheitsminister provoziert mit Besuch von Tempelberg
Unterdessen sorgte der israelische Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir am Mittwoch mit einem Besuch des Tempelbergs in Ost-Jerusalem auf arabischer Seite für Empörung. Der rechtsextreme Politiker begab sich nach Angaben seines Sprechers am Morgen zu der in Jerusalems Altstadt gelegenen Anlage, die Juden wie Muslimen heilig ist.
Die Hamas nannte den Besuch des Ministers eine "provokative und gefährliche Eskalation". Das jordanische Außenministerium bezeichnete Ben Gvirs Besuch in einer Erklärung am Mittwoch als "Erstürmung" und "inakzeptable Provokation". Ben Gvir hat in der Vergangenheit wiederholt den Tempelberg besucht und sich über das von der israelischen Regierung verhängte dortige Gebetsverbot hinweggesetzt.
Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist ein zentraler Streitpunkt des israelisch-palästinensischen Konflikts. Jordanien verwaltet diese islamischen Heiligtümer, Israel regelt jedoch den Zugang zum Tempelberg. Juden verehren den Tempelberg als Ort des früheren Zweiten Tempels als ihren heiligsten Ort. (afp/bearbeitet von ng)